WarenkundeStaunton Schachfiguren – Der Standard bei Turnieren

Das Schachspiel ist wie kaum ein anderes Brettspiel populär und gefürchtet zugleich. Jeder kennt es, viele beherrschen die Regeln, doch nur wenige üben sich regelmäßig im praktischen Wettkampf. Nichtsdestotrotz hat dieses Spiel viele Jahrhunderte überdauert. Ein Schachspiel im Hause zu haben ist damals wie heute etwas Repräsentatives und zeugt von geistiger Präsenz.

Von der Entwicklung der Schachfiguren

Das Schachspiel, wie wir es heute kennen, findet seinen Ursprung in Europa im Mittelalter. In der arabischen Welt war es schon Jahrhunderte vorher bekannt und beliebt. Die Figurensätze variierten demzufolge durch die Epochen. Aus Elefanten wurden Läufer und aus Festungswägen Türme.
Je nach Fertigkeiten der Handwerker und regionalen Vorlieben bestanden die Figuren aus Abbildungen von Tieren, Sagengestalten oder simplen Gebrauchsformen.
Gegen Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in europäischen Großstädten langsam aber stetig verschiedene Schachszenen. In Cafés trafen sich meist Mitglieder der bürgerlichen und großbürgerlichen Schichten, um Schachpartien gegeneinander auszutragen. Es taten sich erste Meister und Meisterschaften hervor. Jedoch war die Variabilität der Spielfiguren zu dieser Zeit sehr gewöhnungsbedürftig. Feudale Schachspiele, die eine naturgemäße Darstellung der höfischen Ordnung zum Thema hatten, standen neben Figuren, welche die begriffliche Bedeutung abbildeten. Einen einheitlichen Standard, der sofort die einzelne Figur ohne Umschweife und für jeden Spieler einfach erkennen ließ, gab es nicht.

Im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten bestand nun auch die Möglichkeit, in so genannter Massenproduktion Schachfiguren herzustellen. So bildeten sich verschiedene Standards heraus, da insgesamt der wachsende Markt an Schachfiguren nicht mehr von wenigen Schnitzern bedient werden konnte. 

Die Entstehung der Staunton Schachfiguren

Schließlich, im Jahre 1839, begann sich der englische Spielwarenhersteller John Jaques sen. in London Gedanken über einen Schachfigurensatz zu machen, welcher möglichst einfach und preiswert herzustellen sein sollte. Er orientierte sich hierbei an einem Modell, das sein Schwager Nathaniel Cooke erdacht hatte und modifizierte dessen Ideen. Der Figurensatz wurde am 1. März 1849 als „Ornamental Design for a set of Chess-Men" von Nathaniel Cooke als Patent angemeldet.

London war zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Zentren des Schachspieles in Europa. Die stärksten Meister verkehrten hier und maßen ihre Kräfte in Schachcafés wie dem „Divan“ oder dem „Slaughter´s Coffee House“. Cooke war Herausgeber der „Illustrated London News“, einer Zeitung, für die der damals beste und populärste Schachspieler Groß-Britanniens, Howard Staunton, regelmäßig eine Schachkolumne beisteuerte.
Niemand geringeres als eben dieses Schachgenie, welches sich zu dieser Zeit als der unbestrittene Schachweltmeister wähnte, konnte der eifrige Cooke als Namenspatron für die neuen Figuren gewinnen. Ein weiterer Coup diesbezüglich war der Umstand, dass im Jahre 1851 anlässlich der Weltausstellung in London das bis dato größte Schachturnier der Geschichte stattfinden sollte. Staunton selbst investierte seine ganze Kraft und Bekanntheit, um dieses prestigeträchtige Turnier auf die Beine zu stellen. Konsequenterweise wurden „seine“ neuen Figuren bei dieser Gelegenheit einer breiten Schachöffentlichkeit vorgestellt.

Merkmale der Staunton Schachfiguren

Doch was unterscheidet die Stauntonfiguren von anderen Figurensätzen und weshalb wurden sie so erfolgreich, dass sie bis zum heutigen Tage die gängie Ausführung sind?
Zuerst einmal ist die Stauntonform bei Schachfiguren klassisch zeitlos; ihre Symbolkraft spiegelt sie durch schlichte Praktikabilität wider. Keine unnötigen Schnörkel, die lediglich zu einer Fragilität der Figuren führen und das haptische Element nicht der Grifffestigkeit unterordnen, sorgen für eine klare Symbolik, die Spieler aus den verschiedensten Kulturkreisen schnell verstehen können. Eine Stauntonfigur kann demgemäß auch mal vom Tisch fallen, ohne gleich kaputt zu gehen und sie liegt gut in der Hand. Sie ist durch ihren breiten Sockel und dem tiefen Schwerpunkt sehr standfest.

Das zeichnen Staunton Schachfiguren aus

  • Klare Symbolik mit hohem Widererkennungswert
  • Staunton Figuren liegen gut in der Hand
  • Breiter Sockel mit tiefem Schwerpunkt
  • Besonders standfest

Herstellung von Staunton Schachfiguren

Die ersten Figuren wurden – bis auf Springer und die stilisierte Malteserkrone des Königs – aus einem Stück gefertigt. Doch trotz ihres für die damalige Zeit modernen Ansatzes folgen sie den Maximen, die der Schachmeister Damiano im Jahre 1562 bereits für Schachfiguren postuliert hatte. Der König wäre demnach die höchste Figur, die Dame die nächsthöhere. Der Läufer sollte eine scharfe Spitze haben, welche – ähnlich einer Bischofsmitra – in der Mitte gespalten ist. Der Springer müsste eine schräg abgeschnittene Spitze bekommen und die Bauern sollten die kleinsten und unscheinbarsten Figuren darstellen. Die Klarheit der Stauntonfiguren erklärte auch ihren Wiedererkennungswert, denn die Schachfiguren, die in Büchern oder Zeitungen gedruckt wurden, ähnelten der Stauntonform ungemein, so dass langsam aber unaufhaltsam der Siegeszug der Stauntonform begann und bis zum heutigen Tage anhält.