WarenkundeDamaszener Stahl: High-Tech der Eisenzeit, Schmuckstück der Moderne

Damastzener-Stahl

 

Damaststahl erfreut sich heutzutage insbesondere wegen seiner dekorativen Oberfläche großer Beliebtheit. Ursprünglich hatte die Herstellung einen völlig zweckmäßigen Grund: Sie vereint die Vorteile verschiedener Rohstähle. So diente die hohe Kunst des Damastschmiedens ursprünglich dazu, die Härte bestimmter Stahlsorten mit der Elastizität anderer Stähle zu verbinden, um die Bruchgefahr schneidfester Klingen zu reduzieren. Dabei wurden zwei Stück Rohstahl aufeinander geschmiedet, gefaltet, erhitzt und wiederum zusammengeschmiedet. Diesen Prozess hat man so lange wiederholt, bis die gewünschte Anzahl an Lagen erreicht wurde - oft mehrere hundert je Klinge! In der heutigen Zeit hat das aufwändige Verfahren zwar keine praktische Bedeutung mehr, da moderne Legierungen dieselben Eigenschaften erfüllen. Dennoch sind Damastklingen nach wie vor etwas ganz Besonderes: Wie ein Fingerabdruck weisen sie stets ein einzigartiges Muster auf und verleihen seinem Träger damit Individualität und Klasse.

Herstellung einer Damastklinge

Das markante und kennzeichnende Muster einer Damastklinge wird in aufwendigem Verfahren angefertigt. Für die Herstellung werden zunächst mindestens zwei Stähle mit unterschiedlicher Legierung benötigt. Gebräuchlich ist die Kombination von einem Stahl mit erhöhtem Nickelgehalt und erhöhten Mangangehalt. Beim Ätzen wird der Stahl mit erhöhtem Nickelgehalt hell, der Stahl mit erhöhtem Mangangehalt wird dunkel. Nun werden die verschiedenen Stähle abwechselnd aufeinandergelegt und zu einem Paket gestapelt. Dabei werden die einzelnen Stähle an den Seiten durch eine schmale Schweißnaht fixiert, welche später wieder abgetrennt wird. Das Verfahren des sogenannten Schweißverbundes dient vor allem dazu die Vorteile verschiedener Stähle miteinander zu vereinen. Es entsteht eine Messerklinge von hoher Flexibilität und Schnitthaltigkeit. Das Paket wird nun auf 1.000 bis 1.2000 Grad erhitzt und anschließend mit gezielten Hammerschlägen zusammengeschmiedet und dabei gleichzeitig in die Länge getrieben. Dann wird das Paket gefaltet und erneut verschweißt. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis die gewünschte Anzahl der Damastlagen erreicht ist.

Das Falten des Stahls wird in drei Arbeitsschritte gegliedert:

  1. Erhitzen des Stahlpaketes
  2. Das Stahlpaket wird mit Hammerschlägen flach geschmiedet
  3. Das Paket wird geteilt
  4. Die beiden Stahlhälften werden aufeinandergelegt

Mit jeder Faltung verdoppelt sich die Anzahl der Lagen. Beispiel: Beginnt der Schmied mit drei Lagen stahl, so werden nach der zweiten Faltung bereits 12 Lagen, nach er fünften Faltung 96 Lagen und nach der siebten Faltung 384 Lagen erreicht. Was hier so einfach zu lesen ist, ist schwerste Handarbeit. Geschick, Präzision und Erfahrung des Schmied spielen eine wichtige Rolle.

Herkunft des Damaszener Stahls

Der Name „Damast“ ist auf die syrische Hauptstadt Damaskus zurückzuführen. Seine Ursprünge werden jedoch in Indien vermutet. Damaskus war im Mittelalter eine angesehene Handelsmetropole. Vermutlich wurden hier vermehrt Waffen aus Damast gehandelt, weshalb fälschlicherweise die Meinung weit verbreitet ist, dass Damaszener Stahl aus Damaskus stamme. Es ist nicht genau bekannt, in welchem Land Damaszener Stahl zuerst hergestellt worden ist. Die hohe Schule der Damast-Schmiedekunst entwickelte sich um 1250 n.Chr. in Indonesien. Die Ursprünge jedoch werden um 350 v.Chr. in Europa vermutet.

Trachtenmesaser mit Damastklinge

 
 
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